2. Treffen der Agrarpolitischen Dialog-Projekte in Russland

Vom 19. bis zum 21. Oktober 2011 fand das 2. Treffen der „Agrarpolitischen Dialoge“ des BMELV statt, mit welchem an das erste Treffen im Dezember 2010 in Astana/Kasachstan angeknüpft wurde. Die „Dialogen“ sind Projekte, die im Rahmen des bilateralen Kooperationsprogramms des BMELV in enger Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und regierungsnahmen Institutionen des Partnerlandes Beratung zu agrarpolitischen Themen leisten. In Noginsk bei Moskau versammelten sich auf Einladung von BMELV und GFA die Teams der Projekte aus Russland, der Ukraine und Kasachstan sowie deren politische Partner zu einem Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Nach der Begrüßung durch die Gastgeber und Gunther Beger vom BMELV brachte der Sekretär der Agrarausschusses der Russischen Föderation, Herr Kalinin, die Teilnehmer auf den aktuellen Stand der agrarpolitischen Diskusion in der Russischen Föderation. Insbesondere wurde dabei neben den Themen Bodenrecht und Entwicklung der ländlichen Regionen die Notwendigkeit zur Verbesserung von Ernte-, Verarbeitungs- und Transportlogistik hervorgehoben, die beim Einbringen der diesjährigen Rekordernte deutlich geworden seien.

Die heißen Themen der kasachischen Agrarpolitik wurden durch den Sekretär des Ausschusses für Agrarfragen der Maschilis, Herrn Chirkalin, vorgestellt. Bedingt durch die Binnenlage des Landes stellt der Export besondere Herausforderungen an die Logistik. Dazu steht die kasachische Agrarpolitik vor weiteren großen Aufgaben. insbesondere beim System der Agrarfinanzierung, der ländlichen Entwicklung und der Erreichung der ambitionierten Ziele Kasachstans bei der Tierproduktion.

Für die Ukraine gab Dr. Lissitza vom Ukrainischen Agrarbusinessclub einen Überblick über die Situation in der Ukraine, in welcher sich der Agrarsektor ähnlich entwickele wie in Russland und Kasachstan, so dass viele Schwierigkeiten vergleichbar seien. Insbesondere wies er auf die Probleme der gegenwärtigen Landreform in der Ukraine hin.

Die Langzeitexperten aller 3 Projekte, Herr Dr. Hoppe (Russland), Frau Dr. Jaksch (Kasachstan), Herr Dr. Strubenhoff und Frau Movchan, stellvertretende Leiterin des Instituts für Wirtschaftsforschung und Politikberatung (Ukraine), referierten über die Arbeit ihrer "Agrarpolitischen Dialoge" während des letzten Jahres und stellten dabei auch kurz die weiteren Projekte des BMELV-Kooperationsprogramms in ihren Ländern vor.

Grundlage der anschließenden Diskusion war die Vorstellung der Ergebnisse der Projektevaluierungen, die in allen drei "Dialogen" in diesem Jahr durchgeführt wurden. Der Evaluierer, Herr Dr. März, stellte in seinem Referat die Unterschiede sowie die gemeinsamen Erfolgsfaktoren der 3 Projekte heraus. Bei allen Unterschieden bescheinigte er allen drei "Dialogen" ein hohes fachliches Niveau sowie eine große Wertschätzung duch die Partner. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Vernetzung der "Agrarpolitischen Dialoge" untereinander wichtig ist, um voneinander zu lernen, insbesondere hinsichtlich der Herangehensweisen an bestimmte Themen. Letztlich müsse jedoch in jedem Partnerland auf die spezifischen Probleme und Anforderungen eingegangen werden, so dass Lösungswege durchaus unterschiedlich sein können. Potenzial für eine projektübergreifende Zusammenarbeit wurde daher auch überwiegend bei den eher globalen Themen wie Ernährungssicherung oder bei übergreifenden Studien – z.B. zur Getreideproduktion – gesehen.

Alle Projektvertreter führten aus, dass die Aufteilung der vorhandenen Ressourcen zwischen langfristig zu bearbeitenden Theman und kurzfristigen Nachfragen der Partner oft mals schwierig ist. Jedoch bestand auch Einigkeit darüber, dass die "Agrarpolitischen Dialoge" – im Gegensatz zu manchen anderen Beratungsprojekten – durch ihre Nachfrageorientierung eine hohe Praxisrelevanz haben. Die positiven Erfahrungen bestätigen die besondere Eignung der "Agrarpolitischen Dialoge" als Einstiegsprojekte für neue Partnerländer, da sie eine Plattform für die gemeinsame Arbeit zu einer Vielzahl von Themen bieten, von der aus auch das Potential für weitere Fachprojekte identifiziert werden kann.

Einen abschließenden Höhepunkt erlebten die Teilnehmer des Treffens bei einer Exkursion zum bekannten Dreifaltigkeitskloster von Sergijev Posad, welches zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.